Aktien Beratung: Immer mehr Banken verzichten komplett darauf

Immer seltener greifen Bankkunden auf eine Beratung bei der Bank zurück, wenn sie Aktien kaufen. Vielmehr geht die Zahl der Bankberatungen stetig zurück. Ein Grund hierfür sind u.a. bürokratische Stolpersteine, die Beratungsprotokolle den Bankmitarbeitern in den Weg legen.

Die FAZ berichtet über eine Auswertung der DWP Bank, einem großen deutschen Wertpapierabwickler, nach dessen Auswertung nur rund 2% der Aktienkäufe nach einer Beratung stattfinden. Rund eine Million Depots von Privatanlegern wurden für dieses Ergebnis ausgewertet. Die Bank wickelt u.a. die Aktiengeschäfte von Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken und Privatbanken ab. Die Aktien Beratung ist daher nur noch bei einem Bruchteil der Transaktionen präsent.
Zwei Faktoren tragen hierzu bei: Zum Einen wird ein Großteil der Aktienkäufe heute übers Internet verrichtet, so dass keine Beratung stattfindet und zum Anderen machen es Beratungsprotokolle, wie sie der Gesetzgeber vorschreibt, den Bankberatern schwer, rechtlich einwandfreie Beratungsgespräche zu führen. Seit 2010 müssen Bankmitarbeiter, die ihre Kunden über Anlageentscheidungen beraten, ein Protokoll erstellen, dass der Kunde über Risiken und Chancen hinreichend aufgeklärt ist und die Geldanlage im vollen Wissen um mögliche Risiken getätigt hat. Dies ist sowohl für die Bank als auch den Kunden eine Rückversicherung und soll vor möglichen Rechtsstreits schützen. Doch während einfache Anlageformen wenig beratungsintensiv sind, können Wertpapiere ein hohes Verlustrisiko beherbergen, so dass die Beratung und das Beratungsprotokoll umso ausführlicher gestaltet ist. Aufgrund des hohen Verwaltungsaufwands verzichten viele kleinere Regionalbanken mittlerweile komplett auf Beratungen, sondern tätigen lediglich die Aktienkäufe oder -verkäufe für die Kunden.

Tausende Beschwerden hat die Bafin mittlerweile zu Banken und unabhängigen Beratern registriert. Die hohe Beschwerdezahl könnte ein weiteres Zurückgehen der Beratungsgespräche vor dem Aktienkauf weiter begünstigen. Sowohl Beratern als auch den Kunden sind die aufwändigen Beratungsprotokolle oft ein Dorn im Auge, da sie viel Zeit kosten und vom Kunden mitunter die Angabe vieler persönlicher Daten abverlangen.

Bei Online Brokern haben es Kunden meist einfacher. Die Anbieter verzichten im Normalfall gänzlich auf Anlageberatung (es sei denn, es gibt auch Filialen). Dafür wird auch hier ein Risikoprofil des Kunden erstellt, so dass dieser sich im Klaren darüber ist, welche Geldanlagen sinnvoll sind. Viele Depotanbieter bieten zusätzlich noch Seminare an und offerieren ihren Kunden kostenlose Serviceleistungen wie Musterdepots. Generell gilt, dass kein Depotkunde sich und seine Kenntnisse in Sachen Trading überschätzen sollte. Auch wenn man beim Trading über Online Broker meist selbst Entscheidungen treffen muss, ist ein Großteil der Depots auch für Anfänger geeignet, die sich jedoch nicht zu schade sind, online Informationen zu Wertpapieren, Kaufentscheidungen und Anlegestrategien zu sammeln und diese entsprechend in ihre Entscheidungen einzubeziehen.

Eine Übersicht über die Anbieter finden Sie im Depotvergleich.