Auch nach 25 Jahren noch kein blühender, ostdeutscher Aktienmarkt

Am 8. November jährt sich der Mauerfall zum 25. Mal. Damals wurde Deutschland endlich wieder vereint. Emotional für viele noch immer der bewegendste Moment der jüngeren Geschichte. Ein eifrig immer wieder bemühtes Zitat aus der Zeit der Wiedervereinigung von Altkanzler Willy Brandt: Es wächst zusammen was zusammen gehört. Das sollte auch für die Wirtschaft gelten, doch wie sieht es nach 25 Jahren geeintes Deutschland aus? Da steht der Osten noch immer hinter dem Westen zurück. Wirtschaftlich konnte sich der von Kanzler Helmut Kohl prophezeite Aufschwung nicht erfüllen. Zumindest nicht vollständig.

Aufholjagd kommt zum Stillstand

In einigen Bereichen ist der neue Wirtschaftsweg durchaus gelungen. So konnten sich neue Industriezentren entwickeln, wie zum Beispiel rund um die Städte Chemnitz und Zwickau, die sich auf Maschinenbau und Autozulieferung spezialisiert haben. Doch es gab auch fehlgeschlagene Projekte. Die Euphorie und die „Wir packen es an“ Stimmung der ersten Jahre ist inzwischen verpufft, Experten sprechen sogar von einem Stillstand des Wachstums.

Westdeutschland noch immer auf dem Aktienmarkt dominant

Einen Grund für das stagnierende Wachstum sehen die Experten auch in der Unternehmensstruktur der ehemaligen DDR. Es fehlt an großen Firmen. Die meisten Unternehmen sind klein- bis mittelständisch und locken keine Investoren. Von den 30 DAX-Unternehmen Deutschlands hat kein einziges seinen Sitz in den neuen Bundesländern. Insgesamt sind lediglich 18 ostdeutsche Unternehmen überhaupt an der Börse notiert.

Wenig Vertrauen in Aktienkultur

Die Deutschen an sich, egal ob in West- oder Ostdeutschland, sind eher ein Aktienmuffel. Während in anderen Ländern viel mehr Unternehmen nach der Börse greifen, wenden sich nur sehr große Unternehmen zur Kapitalbeschaffung an Aktionäre. Der Mittelstand finanziert sich größtenteils noch immer über Bank- oder Privatkredite. Nur können westliche Unternehmen noch immer von ihren gewachsenen Strukturen profitieren, während in Ostdeutschland erst die Altlasten des Sozialismus abgeworfen werden mussten.

Mutige Börsenpioniere der Anfangszeit haben das Vertrauen nicht weiter gestärkt. Die Sachsenmilch AG war das erste ostdeutsche Unternehmen das nach der Wiedervereinigung an die Börse ging – und bereits ein Jahr später pleite machte. Kein Einzelfall, wenn auch einer der prominentesten.

Aufschwung Ost, die Zweite

Die schnelle Entwicklung der blühenden ostdeutschen Wirtschaftslandschaft ist nur teilweise geglückt, doch aufgegeben wird noch lange nicht. Nur der Zeitplan muss korrigiert werden. Auf mittellange Sicht rechnen Experten mit einem Aufschwung. Vor allem auf den bereits gelungenen Ausbau der Hochschulen wird gesetzt. Das Know-How wird bereits in den neuen Bundesländern geschaffen, jetzt muss man es nur noch nutzen.

Besonders in den Hochschulstädten könne sich eine neue Unternehmenskultur entwickeln, die auch Investoren locken kann. Ob es aber zu einem großen Einstieg in die Börsenlandschaft kommt bleibt fraglich. Stärker noch als Westdeutsche stehen Ostdeutsche dem Aktienmarkt skeptisch gegenüber. Trotzdem kann man gespannt sein, wenn auf 50 Jahre Wiedervereinigung zurückgeblickt wird.