Börsenfieber und Krisenangst

Neue Hoffnung für IPOs oder Angst vor mangelndem Wachstum? Online-Unternehmen als neuer Gewinnbringer oder schlimme Erinnerungen an die dotcom-Blase der 2000er? Der deutsche Börsenmarkt ist derzeit in Aufruhr.

Die Stimmung steigt

Nicht einmal einen Monat ist es her, da wurden Online-Unternehmen als die neuen Heilsbringer der Aktienmärkte gehandelt. Der chinesische Riese Alibaba gab seinen Börsengang in den USA bekannt. In Deutschland folgten das Internet-Modehaus Zalando und die Start-up Schmiede Rocket Internet. Und schon wurde diskutiert: Gibt es eine neue Welle? Haben (vor allem deutsche Anleger) nach dem Desaster der 2000er Jahre, in denen die dotcom-Blase platzte, endlich wieder Vertrauen in neue Märkte? Kann man am Ende mit dem Internet doch Geld verdienen?

Weder Alibaba, noch Zalando oder Rocket Internet hatten große Probleme ihre Aktien unters Volk oder besser die Anleger zu bringen. Alibaba gelang damit zugleich auch noch ein Rekord: Der größte Börsenstart in der Geschichte der USA.

… und fällt

Doch während der chinesische Konzern sich in den ersten Wochen wacker schlägt, haben die beiden deutschen Aktienneustarts mit Verlusten zu kämpfen. Zwar fanden beide zu Beginn reißenden Absatz, doch seitdem geht der Trend nach unten. Hat man sich vielleicht doch verkalkuliert? Drohen erneut große Verluste,verursacht durch Online-Unternehmen? Der deutsche Markt ist verunsichert.

Verlust aus einer Schmiede

Bei all den Spekulationen sollte man nicht vergessen, dass es gravierende Unterschiede zwischen Alibaba und den beiden Samwer-Firmen Zalando und Rocket Internet gibt. Alibaba war bereits ein lukratives Unternehmen bevor es an die Börse ging. Zalando schaffte es gerade einmal kurz vor Börsenstart die ersten schwarzen Zahlen der Firmengeschichte zu schreiben. Bei Rocket Internet hingegen fehlen teilweise Geschäftsberichte, außerdem gleicht das Unternehmen einem Flickenteppich aus vielen kleine Start-ups, die über die ganze Welt verteilt sind. Absolut undurchsichtig für Anleger.

Und nicht zuletzt auch die Gesichter der Unternehmen sprechen eine unterschiedliche Sprache: Alibaba Gründer Jack Ma gilt als Charismat und Visionär. Die Samwer Brüder, allen voran Oliver Samwer, machten mehr durch ihre beinahe schon radikale Sicht der Geschäftswelt von sich reden. Vor allem in den letzten Wochen rückten die Persönlichkeit der Samwers immer wieder ins Medienfeld. Auch Sympathie kann bei Anlegern Entscheidungen beeinflussen.

Börsenstart, ja, nein, vielleicht

Die drei Börsenstarts von Online-Unternehmen weckten die Hoffnung auf neue Geschäftsfelder die an die Börsen drängen und den Markt beleben könnten. Schon wurden Gerüchte laut, wer der Nächste sein könnte. Hervorgehoben hatte sich dabei Scout 24. Laut Insiderkreisen wollte das Unternehmen diese Woche seinen Börsengang bekannt geben. Nun wurde am Freitag zurückgerudert. Die Marktlage sei zu unsicher, die Entwicklungen, auch durch die Krisen in der Ukraine und dem Irak und Syrien gestärkt, unkalkulierbar. Der Börsengang wurde verschoben. Auf bis jetzt unbestimmt Zeit. Gemunkelt wird 2015. War es das schon mit der ersehnten Welle der Börsenneustarts?

Fazit

Allgemeingültige Trends lassen sich aus den Börsenstarts und Abstürzen der letzten Wochen noch nicht ablesen. Die politische Lage beeinflusst seit jeher die Börsen, doch keine Krise ohne Gewinner. Ganz abgesehen davon, dass davon meist der gesamte Markt betroffen ist.

Die politische Weltlage ist nicht die beste für die Börsenmärkte, doch bleiben Wertpapiere weiterhin attraktiv. Ob sich die Börsennotierung von Online-Unternehmen als Dauerflop erweisen wird bleibt abzuwarten. Sicherlich sollte man, wie die Beispiele Alibaba und Rocket Internet zeigen, nicht alle Online-Unternehmen über einen Kamm scheren und mit Bedacht seine Transkationen tätigen. So gesehen also alles beim alten auf dem Börsenmarkt.

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