Ernst & Young: “Aktien müssen attraktiver werden”

“Aktien müssen attraktiver werden” – zu diesem Schluss kam die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. Eine Untersuchung ergab, dass mittlerweile fast 60 Prozent der DAX-Aktien von ausländischen Investoren gehandelt werden. Bei den Deutschen sind es nur noch rund 34 Prozent – so wenig wie noch nie. Dieser Wert ist umso erstaunlicher, da die Gebühren für Aktiendepots für Privatlieger aktuell sehr gering sind, was in unserem aktuellen Depotvergleich nachzuvollziehen ist.
Jens Kleine, ein Professor aus Berlin mit dem Schwerpunkt Finanzdienstleistungen glaubt, eine simple Lösung für das Problem gefunden zu haben.
Er schlägt die Ausschüttung von quartalsweisen Dividenden durch deutsche Unternehmen vor. Die Idee, die auf einer repräsentativen Umfrage in der Bevölkerung beruht, besteht vor allem darin, dass Quartalsdividenden die Zahl der deutschen Aktionäre um bis zu 3,5 Millionen erhöhen könnten.

Amerika und Japan haben die Nase vorn

Seit 2001 ist die Zahl der Deutschen, die Aktien oder Aktienfonds besitzen, von 5,7 Millionen auf 4,5 Millionen gesunken und ungefähr auf diesem Stand geblieben, ohne, dass eine größere Änderung in Sicht wäre.
Insgesamt werden nur 2,5 Prozent des Vermögens der Deutschen (rund 280 Milliarden Euro) direkt in Aktien investiert, also sogar weniger als in Gold.
Ungefähr das Fünffache steckt in Versicherungen, das Sechsfache in kurzfristigen Einlagen bei den Banken, obwohl es dafür kaum mehr Zinsen gibt.
Im Gegensatz zu Arbeitnehmern profitieren Firmenbesitzer von sprunghaften Einkommensanstiegen. Das liegt daran, dass der Anteil der Unternehmensgewinne an den volkswirtschaftlichen Erträgen in den letzten Jahren ebenfalls angestiegen ist.
Aktionäre, die im Prinzip auch Firmenbesitzer sind, erhalten ihre Gewinne über die Dividenden, die traditionell einmal jährlich ausgeschüttet werden. In den USA und Japan dagegen finden diese Ausschüttungen bereits vierteljährlich statt – abhängig vom Ergebnis des Quartals.
Kleine hält dies für den richtigen Weg, um die Aktien auch für Deutsche attraktiver zu machen, weil häufiger ausgeschüttete Dividenden auch für häufigere Erträge und so für stärkere Bindung zur Aktie sorgen.

Die Umfrageergebnisse stoßen auf positive Resonanz

Um seine Vermutung zu überprüfen, führte Kleine eine Befragung von 2000 Bürgern durch. Diese ergab, dass 22 Prozent derer, die noch gar keine Aktien besitzen, bei einer quartalsweisen Ausschüttung Aktien kaufen würden.
Diejenigen, die bereits Aktien besitzen, würden sogar ein Drittel ihres Geldes zusätzlich investieren. Insgesamt könnte diese Neuregelung etwa 3,5 Millionen zusätzliche Aktionöre in Deutschland zur Folge haben.
Die Quartalsdividende würde offenbar vor allem bei Menschen mit mittlerem Einkommen auf Interesse stoßen – also jene Bevölkerungsgruppe, die bisher kaum investiert hat, obwohl sie durchaus die finanziellen Mittel dazu hätte. Private Investoren hätten die Möglichkeit, die Quartalsausschüttung als (zusätzliche) Einkommensquelle zu nutzen.
Die Umsetzung wäre, z.B. juristisch, zwar etwas aufwendiger als bisher, aber durchaus durchführbar. Um das Aktiengesetzt anzupassen, fehlen allerdings bisher noch die Initiativen.