Passiv investieren und Gebühren sparen

Lange Zeit waren aktiv gemanagte Fonds das Nonplusultra für Anleger, die ihr Geld für einen langen Zeitraum investieren wollten. Solche Fonds bieten meist eine gute Rendite. Und legen sie breit gestreut in Aktien verschiedener Branchen und Länder an, sind sie zudem relativ risikoarm. Doch die Gebührenlast fällt mitunter sehr hoch aus, denn die aktive Verwaltung der Fonds verursacht Kosten, die der Anleger bezahlen muss. In den vergangenen Jahren hat sich eine Alternative etabliert: Passives Investieren. Passive Fonds folgen festen Regeln und orientieren sich an einem Referenzindex. Das hält die Kosten niedrig. So bleibt für den Anleger mehr Gewinn übrig.

Was sind aktive und passive Investments?

Um zu verstehen, was passives Investieren ist, hilft es, erst einmal zu klären, was ein aktives Investment ausmacht. „Aktiv” meint vor allem die Analyse und Auswahl geeigneter Wertpapiere. Ziel aktiver Anlagestrategien ist es meist, den Markt zu schlagen. Jeder Privatanleger kann aktiv nach geeigneten Instrumenten recherchieren und sein Portfolio zusammenstellen. Er kann das aber auch Finanzprofis überlassen, zum Beispiel indem er in einen Aktienfonds investiert.

Klassische Investmentfonds werden nämlich auch aktiv verwaltet. Fondsmanager kümmern sich um die Auswahl geeigneter Anlageprodukte, also zum Beispiel Aktien oder Anleihen. Sie recherchieren, analysieren, kaufen, verkaufen und schichten um. Das Ziel der Fondsmanager ist es, eine bessere Performance zu erzielen als der Markt. Ein Manager würde also zum Beispiel mit einem Fonds, der in deutschen Aktien anlegt, versuchen, die Entwicklung des deutschen Leitindexes Dax zu schlagen. Doch Studien von Standard & Poor’s und Morningstar zeigen immer wieder, dass aktiv gemanagte Fonds nur selten dauerhaft den jeweiligen Referenzmarkt schlagen.

Passive Anlageentscheidung

Passiv kann nicht nur die Zusammenstellung eines Fonds sein, sondern auch die „Investitionsentscheidung” des Anlegers. Sogenannte Robo-Advisors nehmen dem Anleger die Entscheidung ab, in welche Werte er investieren sollte. Vielmehr entscheidet der Algorithmus eines Computerprogramms auf Basis des persönlichen Anlegerprofils. Gekauft werden auch in diesem Fall passive ETFs.

Passive Strategien folgen dem Markt

Daher die Überlegung, einfach von der Marktentwicklung zu profitieren, und das möglichst 1 zu 1. Passiv investieren bedeutet genau das: Möglichst genau an der Performance des Marktes teilhaben. Hier versucht kein Fondsmanager, den Markt zu schlagen (dementsprechend besteht auch das Risiko nicht, dass er dem Markt unterliegt). Ein passiver Investmentfonds macht die Höhen und Tiefen des Marktes einfach mit. Das Finanzinstrument, das dies ermöglicht, ist der Indexfonds. Ein Indexfonds investiert in die Aktien, Anleihen oder Immobilien, die auch der entsprechende Index umfasst. Viele dieser Indexfonds können auch an der Börse gehandelt werden. In diesem Fall spricht man von ETFs (Exchange Traded Funds). Wer heute passiv anlegen möchte, tut das meist mit ETFs.

ETF: Passive Anlage zum Vermögensaufbau

Passiv investieren ist heute mit unzähligen ETFs möglich. Man kann fast sagen: Für jeden Index gibt es auch den passenden ETF. Und so dauert es meist nicht lang, dass auf einen neu geschaffenen Index auch bald der entsprechende ETF folgt. Viele verschiedene Investmentgesellschaften konstruieren ETFs, die möglichst genau die Wertentwicklung ihres jeweiligen Indexes nachvollziehen. Am weitesten verbreitet sind die Indexfonds von iShares aus dem Hause Blackrock und die Comstage-ETFs der Commerzbank.

Passiv ist relativ

Tracking-Error

Keinem ETF gelingt es, seinen Index zu 100 Prozent exakt abzubilden. Ein kleiner Unterschied in der Performance bleibt immer bestehen. Dieser wird Tracking-Error genannt. Er tritt vor allem dann auf, wenn der Referenzindex einfach zu viele Aktienwerte umfasst, als dass für einen ETF diese alle tatsächlich gekauft werden könnten.

Dass ein Indexfonds passiv verwaltet wird, heißt nicht, dass er gar kein aktives Management erfährt. Natürlich müssen auch hier die entsprechenden Wertpapiere verschiedener Anlageklassen gehandelt werden. Allerdings treten strategische Aufgaben oder mühevolle Wertpapieranalysen bei ETF-Managern in den Hintergrund. Das Portfolio ist ja durch den Index vorgegeben. Doch bei sehr umfangreichen Indizes kann es bereits vorkommen, dass auch in diesem Punkt die Manager aktiv werden müssen. So müssen Sie beispielsweise entscheiden, ob eine Aktie, die im Index vielleicht nur 0,01 Prozent Anteil hat, auch tatsächlich für den ETF gekauft wird. Immerhin verursacht der Kauf Kosten, bietet aber keinen nennenswerten Mehrwert.

Die aktive Komponente eines ETF

In den meisten Fällen hat ein ETF passive und aktive Elemente. Letztere nehmen in den letzten Jahren immer weiter zu. Unter dem Schlagwort Smart Beta werden ETFs immer stärker aktiv nachjustiert. Das geschieht in erster Linie über die Gewichtung der im ETF enthaltenen Wertpapiere. Die Manager eines ETFs kaufen zwar immer noch die gleichen Aktien, die auch im Index vorhanden sind, doch sie gewichten die Titel neu. Meistens erhalten damit kleinere Aktienwerte einen größeren Anteil am ETF, als ihnen – gemessen am Index – zukommen würde. Man sieht, auch in passiven Finanzinstrumenten kann immer mehr aktives Management stecken.

Welche Vorteile bietet passives Investieren?

Privatanleger sparen vor allem Zeit und Aufwand, wenn sie passiv investieren. Das Portfolio wird durch den Index bestimmt, und der bietet meist schon eine ausreichende Diversifikation, um das Risiko der Anlage zu minimieren. Wer einen oder mehrere ETFs gefunden hat, muss sich anschließend nur noch hin und wieder um seine Investition kümmern. Zeitersparnis bieten zwar auch aktiv gemanagte Fonds, diese sind allerdings erstens aufgrund hoher Gebühren oft viel teurer als ETFs und zweitens besteht bei diesen die Gefahr, dass sie sich schlechter entwickeln als der Referenzmarkt (natürlich könnten sie sich allerdings auch besser entwickeln).

Eine passive Anlage in ETFs bietet zudem den Vorteil, dass sie sehr unkompliziert auch im Rahmen eines Sparplans verfolgt werden kann. Ein Sparplan ist bereits mit sehr niedrigen monatlichen Beiträgen möglich, und daher auch für Einsteiger geeignet. Auch diesen gibt es allerdings auch bei klassischen Investmentfonds. Anleger sollten sich vor dem Kauf eines Sparplans fragen, ob ihnen die mögliche Marktrendite ausreicht, oder ob sie die Chance auf einen höheren Gewinn ergreifen möchten. Für viele ist es dann eine Entscheidung zwischen Fondssparplan und ETF-Sparplan.